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TERRORANSCHLÄGE IN MOSKAUER METRO
Moskau - Zwei schwere Explosionen haben am Montagmorgen die Moskauer Innenstadt erschüttert. Mindestens 38 Menschen kamen dabei laut Angaben russischer Nachrichtenagenturen ums Leben, viele weitere wurden verletzt. Die Detonationen ereigneten sich während der Rushhour, meist drängen sich zu dieser Zeit mehr als hundert Menschen im Moskauer Berufsverkehr in einem Metro-Waggon.
Die Sprecherin des Katastrophenschutzministeriums, Irina Andrianowa, sagte laut der Nachrichtenagentur Itar-Tass, die erste Explosion habe sich in der U-Bahn-Station Lubjanka im Stadtzentrum ereignet. Über dem Bahnhof liegt das Hauptquartier des russischen Geheimdienstes FSB.
Der Nachrichtenagentur Ria Nowosti zufolge explodierte an der Haltestelle Lubjanka um 7.50 Uhr im zweiten Waggon eines Zuges ein Sprengsatz. Mindestens 26 Menschen kamen dabei ums Leben, mindestens elf wurden zum Teil schwer verletzt. Notärzte und Rettungskräfte sind vor Ort, doch behindert der starke Berufsverkehr deren Arbeit. Die Metro-Station Lubjanka ist nach der Explosion gesperrt, der Zugverkehr auf der roten Linie wurde zunächst ausgesetzt.
Laut Staatsanwalt Juri Semin entsprach die Sprengkraft der Bombe etwa drei Kilogramm TNT. "Es ist möglich, dass der Sprengsatz sich am Körper eines Passanten befand", mutmaßte er laut der Online-Zeitung "gazeta.ru".
Eine zweite Explosion ereignete sich um 8.39 Uhr an der Metrostation Park Kultury. Dort soll es mindestens ein Dutzend weitere Todesopfer gegeben haben. Laut Staatsanwalt Juri Semin explodierte der Sprengsatz auch hier im zweiten Waggon, folgte der Anschlag demselben Schema wie an der Station Lubjanka.
Die russische Regierung geht ersten Berichten zufolge in beiden Fällen von Selbstmordanschlägen aus. Nach Aussagen des Moskauer Bürgermeisters sowie des Geheimdienstes FSB sind die beiden blutigen Anschläge von zwei Frauen verübt worden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte, es seien Ermittlungen gemäß des Terrorismusparagrafen 205 des russischen Strafgesetzbuchs eingeleitet worden. Ein Twitter-Nutzer schrieb, die Moskauer Polizei habe Mobilfunkfrequenzen blockiert - offenbar, um einer möglichen weiteren Sprengsatzzündung per Handy zuvorzukommen.
Experten in Moskau vermuten, dass es sich um einen Racheakt islamistischer Untergrundkämpfer aus dem Nordkaukasus handelte. Russische Sicherheitskräfte hatten in der Konfliktregion, in der auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, zuletzt Dutzende Rebellen getötet.
Die Moskauer Behörden haben derweil die Bevölkerung aufgefordert, Ruhe zu bewahren, Radio- und Fernsehsender empfahlen den Hauptstädtern, möglichst zu Hause zu bleiben und öffentliche Plätze zu meiden.
Quelle: © SPIEGEL ONLINE 2010


